Römische Götter in neuem Licht
- beateniepel
- 8. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Zwischen Antike und Gegenwart – eine Neuformung im Stein

Manchmal kommen sie zurück – nicht als Schatten, sondern als Skulptur. Minerva, Venus, Ceres, Aesculapius, Bacchus und Vulcanus: einst verehrt in römischen Tempeln, nun neu gedacht, neu geformt – in Sandstein, mitten im Skulpturengarten.
Zwischen 2004 und 2005 entstanden diese sechs Figuren anlässlich einer Ausstellung im Museum Römervilla in Ahrweiler. Doch sie sind mehr als bloße Abbilder antiker Mythen. Sie tragen die Spuren der Gegenwart in sich – und den Bezug zur Landschaft, die sie umgibt: das Ahrtal, mit seiner Geschichte, seinem Wein, seinen Wunden.
Jede dieser Skulpturen ist eine Interpretation. Keine Replik, sondern eine Einladung, die Götter mit heutigen Augen zu sehen.
Minerva – die Schutzgöttin der Künstler und Lehrer – steht wie eine stille Mentorin im Garten. In ihr bündeln sich Weisheit, Kreativität und Klarheit. Venus, Göttin der Liebe und Schönheit, zeigt sich nicht als Ideal, sondern als fragiles Wesen – verletzlich, menschlich, nah. Ceres bringt Erdung in die Gruppe. Sie ist der Rhythmus der Jahreszeiten, das Wachsen, das Reifen, das Verschwinden. Aesculapius, Gott der Heilkunst, wirkt wie ein Wächter – nicht allwissend, aber zugewandt. In seinem Ausdruck liegt die Sehnsucht nach Heilung, die heute aktueller denn je erscheint. Bacchus, der Gott des Weines, tanzt nicht. Er ruht. Vielleicht nach einem rauschhaften Jahrhundert, vielleicht als Symbol für das Gleichgewicht zwischen Lust und Maß. Und Vulcanus, der Gott des Feuers, steht zuletzt – roh, elementar, gefährlich. Er erinnert uns daran, dass schöpferische Kraft und Zerstörung oft dicht beieinander liegen.
Diese Götter stehen heute nicht auf Sockeln. Sie stehen im Garten, unter freiem Himmel, inmitten von Vögeln, Wetter, Wachstum. Ihre Körper aus Sandstein werden von der Zeit gezeichnet – wie alles Menschliche.
Vielleicht ist genau das ihr neues Licht: Dass sie nicht mehr über uns thronen, sondern mitten unter uns sind. Dass sie nicht Macht verkörpern, sondern Fragen. Nicht Ewigkeit, sondern Wandlung.
„Römische Götter in neuem Licht“ ist ein Spiel mit Formen, Bedeutungen – und mit der Zeit selbst.
Ein stilles Gespräch zwischen dem Alten und dem Jetzt. Zwischen Stein und Seele.




Kommentare